Mary King’s Close - Eine Straße in Edinburgh, die es heute nicht mehr gibt

Wusstest du, dass es unter der Altstadt von Edinburgh spukt? Geister von Pestopfern treiben nicht weit unter Edinburghs berühmtester Einkaufsstraße „The Royal Mile“ noch heute ihr Unwesen. Edinburgh ist deshalb auch als „Stadt unter der Stadt“ bekannt.

Mittelalter

Versetzen wir uns einmal zurück in das Edinburgh des Mittelalters. Die Mary King’s Close war eine kleine Gasse, Englisch „Close“ genannt, in mitten des Stadtzentrums. Edinburgh hatte unzählige dieser engen Gassen, da das schnelle Bevölkerungswachstum stark auf die Stadtbebauung Einfluss nahm. Aufgrund der engen Stadtmauern breitete sich die Stadt in die Höhe aus, statt in die Breite zu gehen. Viele Gebäude waren bis zu 7 Stockwerke hoch, was zur damaligen Zeit eine unglaubliche Leistung war.

Die Gassen waren kaum mehr als zwei Meter breit. Würdest du dich in die Mitte stellen, könntest du mit beiden Händen die gegenüberliegenden Hausfassaden berühren. Die Gebäude der Mary King’s Close waren zudem sehr hoch und ließen nur wenig Tageslicht auf die Straße gelangen. Wildes Getümmel von Menschenmassen stand auf der Tagesordnung: Handwerker wie Schneider und Schuster boten ihre Dienste an, Fleischer schlachteten Tiere zwischen den Menschenmassen, kleine dunkle Pubs reihten sich aneinander und überall häuften sich Abfall, Essensreste und Fäkalien, in denen Hunde wühlen.

Zudem befand sich in unmittelbarer Nähe der Gasse der alte Nor Loch, ein stark verschmutzter Sumpf dessen aufsteigende Biogase stanken und angeblich Halluzinationen verursachten. Es ist typisch für eine „Close“ an einem See zu enden. Der See der Mary King’s Close war aus Platzgründen jedoch längst zugeschüttet und hatte sich so in einen Sumpf verwandelt. Die aufsteigenden Gase wirkten im Abendlicht wie Geister und sorgten somit für Rumor.

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Bildquelle: dakota

Pest

Eine Gasse wie die Mary King’s Close war fruchtbarer Boden für die 1645 ausbrechende Pestepidemie der Stadt. Die Krankheit breitete sich rasend schnell aus und kostete vielen Menschen das Leben. Die Stadtväter Edinburghs hielten damals die Mary King’s Close als Ausgangspunkt der Krankheit und beschlossen darauf hin, die Gasse einfach an beiden Enden zuzumauern. Laut Überlieferungen blieben wohl etliche Menschen in der Gasse zurück und starben elendiglich.

Nachdem die Gasse geschlossen wurde, entwickelte sich die Stadt Edinburgh über der Mary King’s Close weiter. Weitere Häuser entstanden aus dem Nichts über der Gasse und eine Stadt über der Stadt entwickelte sich. Auch zahlreiche andere Gassen verfielen nach und nach dem gleichen Schicksal.

Heute

Im April 2003 wurde die Mary King’s Close zum ersten Mal für die Öffentlichkeit geöffnet. Mittlerweile werden geführte Touren angeboten und bieten dir die Möglichkeit, die mystische Seite Edinburghs zu erleben. Dir wird alles zur Geschichte von Mary King und der nach ihr benannten Close samt ihrem Schicksal erzählt. Weitere Informationen bietet realmarykingsclose.com mit tollen Bildern und Videos. So geht deine Sprachreise nach Edinburgh garantiert unter die Haut!

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